Im Viertelfinale der Weltmeisterschaft erwarten uns vier hochkarätige Fußballbegegnungen. Frankreich und Marokko treffen erneut aufeinander, wie schon im Halbfinale der vorherigen Weltmeisterschaft, Spanien und Belgien spielen um europäisches Prestige, England erwartet Norwegen, während Argentinien und die Schweiz den letzten Halbfinalisten auslosen.
Weltmeisterschaft tritt ins Finale ein. Es stehen noch acht Spiele aus. Vereinigte Staaten von Amerika (USA)Von den ursprünglich 48 Teilnehmern qualifizieren sich die besten acht für den Kampf um den Weltmeistertitel.
Europa hat seine Dominanz im Fußball unter Beweis gestellt, denn sechs der acht teilnehmenden Nationalmannschaften kommen aus Europa. Die südamerikanischen Nationalmannschaften schnitten im Vergleich zu den vorherigen Weltmeisterschaften schlechter ab; nur Argentinien erreichte das Viertelfinale. Afrika ist durch Marokko vertreten. Nord- und Mittelamerika, Asien und Ozeanien sind nicht bei der Weltmeisterschaft vertreten.
Die Viertelfinalspiele finden von Donnerstag bis Sonntag statt:
09.07. (Donnerstag) 22:00 Uhr: Frankreich - Marokko
10.07. (Freitag) 21:00 Uhr: Spanien - Belgien
11.07. (Samstag) 23.00 Uhr: Norwegen - England
12.07. (Sonntag) 03.00 Uhr: Argentinien – Schweiz
Duell zwischen älterer Schwester und jüngerem Bruder
Bei der letzten Weltmeisterschaft überraschte Marokko mit dem Einzug ins Halbfinale. Diesmal spielen sie noch besser. Der neue Trainer Mohamed Ouahbi hat von einem reaktiven Spielstil auf eine etwas aktivere Herangehensweise umgestellt, wodurch Marokko im Angriff gefährlicher geworden ist. Zudem ist der Kader etwas stärker als in Katar.
Ein potenziell großes Problem für Uahbi könnte die Verletzung von Bayern Münchens Neuzugang Ismael Saibari sein, der im Achtelfinale aufgrund von Rückenschmerzen ausschied. Der Dreifachtorschütze aus dem vorherigen Turnierteil könnte zwar gegen Frankreich wieder einsatzbereit sein, wird aber voraussichtlich nur auf der Bank sitzen. Uahbi wird sich daher wohl für Soufani Rahimi entscheiden, der ihn gegen Kanada ersetzte und sofort traf.
Frankreich präsentiert sich in Bestform. Didier Deschamps' Team verfügt über ein unglaubliches Offensivarsenal. Kylian Mbappé hat bisher sieben Tore erzielt, Ousmane Dembélé vier. Michael Olise ist mit fünf Torvorlagen der beste Vorlagengeber des Turniers. Aus der zweiten Reihe überzeugten Bradley Barkola und Désirée Due mit zwei bzw. einem Tor.
Foto: AP Photo/Martin MeissnerKylian Mbappe erzielte bei der Weltmeisterschaft sieben Tore.
Die Tricolors hatten seit der ersten Halbzeit gegen Senegal im Hinspiel keinen ernsthafteren Test mehr. Frankreichs Schwächen wurden daher nicht auf die Probe gestellt. Im Spiel gegen Marokko wird es entscheidend sein, wie Adrien Rabiot und Aurélien Choumaeni das Mittelfeld kontrollieren, denn die afrikanische Nationalmannschaft mit den Überraschungsspielern der Meisterschaft, Ayoub Boadi und Neil El Aouni, hat bisher in allen Spielen das Tempo vorgegeben.
Eine weitere Schwachstelle Marokkos ist die Linksverteidigerposition. Deschamps selbst ist mit den Optionen auf dieser Position nicht zufrieden und rotierte daher zwischen Lucas Dino und Theo Hernandez. Im Viertelfinale wird die französische Abwehrseite von Brahim Diaz von Real Madrid attackiert, der gerne in die Mitte vorstößt.
Ashraf Hakimi, Kapitän der marokkanischen Nationalmannschaft und Spieler von Paris Saint-Germain (PSG), wird für Marokko eine Schlüsselrolle spielen und möglicherweise Frankreichs Schwächen ausnutzen. Wie schon bei PSG agiert Hakimi flexibel und wechselt häufig seine Position und Laufwege auf dem Feld. Gegen Frankreich wird er, falls nötig, auf dem Flügel und im Mittelfeld eingesetzt.
Foto: AP Photo/David J. PhillipAshraf Hakimi, der wichtigste Spieler Marokkos
Die beiden Rivalen trafen bereits bei der letzten Weltmeisterschaft im Halbfinale aufeinander, wo Frankreich mit 2:0 gewann. Sie gelten schon vor diesem Spiel als klare Favoriten. Die Buchmacher geben den Tricolores eine 80-prozentige Siegchance.
Katalonien und das Baskenland in Wallonien und Flandern
Spanien zeigte seine Stärken und Schwächen. Luis del Fuentes Team hat Probleme mit einer tiefen Abwehr und ist eingeschränkt, wenn der junge Lamin Jamal nicht auf dem Platz steht. Die Spanier hingegen stehen defensiv stabil, haben in der laufenden Meisterschaft noch kein Gegentor kassiert und bewiesen zudem die Fähigkeit, Gegner zu ermüden, die sie am Ende des Spiels mit direkten Bällen überrennen.
Gegen Portugal traten die Schwächen der spanischen Mannschaft deutlich zutage. Portugals Trainer Roberto Martínez setzte den defensiv eher passiven Cristiano Ronaldo geschickt ein und ließ ihn gegen Spaniens Innenverteidiger Emeric Laporte antreten. Dadurch gestaltete sich das Spiel der Spanier äußerst schwierig, da Laporte in der laufenden Meisterschaft die Hauptanspielstation für den Ballbesitz aus der gegnerischen Hälfte war.
Ein weiterer wichtiger Faktor war Nuno Mendes. Der beste Linksverteidiger wehrte Jamals Angriffe eiskalt ab und stoppte ihn komplett. Um ihn herum basiert Spaniens Offensivspiel.
Foto: AP Photo/Erik S. LesserJamal wurde gegen Portugal neutralisiert.
Della Fuente löste das Problem der kompakten portugiesischen Abwehr durch Umstellungen. Er brachte Ferran Torres, Mikel Merino und Fabian Ruiz, die dem spanischen Spiel mehr Direktheit verliehen. Diese Umstellungen führten schließlich zum Siegtreffer: eine Reihe direkter Pässe und ein abschließender Pass von Torres auf Merino, der im Strafraum gekonnt zum Siegtreffer für Spanien traf.
Belgien präsentierte sich in der Gruppenphase nicht in Bestform und verlor das Spiel gegen Senegal erst am Ende deutlich. Doch die Mannschaft von Trainer Rudy Garcia zeigte sich im Duell gegen Gastgeber USA wie verwandelt und feierte einen überzeugenden 4:1-Sieg.
Gegen die USA ließ Garcia den besten Torschützen der Nationalmannschaftsgeschichte, Romelu Lukaku, sowie Kapitän Kevin De Bruyne auf der Bank. So stand ihm eine dynamischere Mannschaft mit jüngeren Spielern zur Verfügung, die dem schnellen Spiel der Amerikaner Paroli bieten konnten.
Neben der mangelnden Qualität der Abwehrreihe stellt die Verletzung von Amadu Onana das größte Problem für Garcia dar. Mit Onanas Ausfall verliert Belgien seine größte Stärke im Spiel: die Mittelfeldkontrolle, die Onana gemeinsam mit seinem Aston-Villa-Teamkollegen Yuri Tillemans aufgebaut hatte.
Die Nationalmannschaften Spaniens und Belgiens trafen bereits achtmal aufeinander. Nach zwei Auftaktsiegen Belgiens bei der Europameisterschaft 1980 und der Weltmeisterschaft 1986 gelang Spanien der sechste Triumph in Folge. Auch in diesem Spiel gilt Spanien als Favorit; die Buchmacher geben ihnen eine Siegchance von 75 Prozent.
Wikinger greift die Insel an
England präsentiert sich bei der Weltmeisterschaft in Topform. Gegen die stärksten Gegner, Mexiko und Kroatien, erreichte das Team Höchstleistungen. Tuchel hat trotz des Fehlens der Stars Cole Palmer und Phil Foden die gesamte Offensivkraft aufbieten können.
Das Zusammenspiel zwischen Harry Kane und Jude Bellingham funktioniert optimal. Die beiden ergänzen sich perfekt. Kane lässt sich oft aus der Offensive zurückfallen und schafft so Raum für Bellingham, der jeden Zentimeter freien Raum nutzt. Das beste Beispiel dafür ist Bellinghams Tor gegen Kroatien, als Kane Luka Vuskovic auf sich zog und Bellingham in den unverteidigten Strafraum stürmte.
Trainer Thomas Tuchel verteilte die Spielminuten geschickt auf die Spieler, sodass kein Flügelspieler mehr als 260 Minuten zum Einsatz kam. Dies könnte sich im weiteren Turnierverlauf als sehr wichtig erweisen, da einige Mannschaften deutlich erschöpfter ins Finale einziehen.
Englands größte Schwäche liegt in der Defensive. Trainer Thomas Tuchel hat auf der Rechtsverteidigerposition Probleme, da Jarrell Kwansa gesperrt ist und Tino Livramento und Jed Spence verletzt ausfallen. Rhys James hingegen wird laut englischen Medienberichten für das Spiel gegen Norwegen einsatzbereit sein.
Vor Beginn der Weltmeisterschaft wurde über mögliche Überraschungen spekuliert. Ecuador, Kolumbien, Japan und Norwegen wurden genannt. Keiner der genannten Nationalmannschaften außer Norwegen gelang ein historischer Durchbruch.
Norwegen erzielte ein historisches Ergebnis mit einem 2:1-Sieg gegen Brasilien und erreichte das Viertelfinale der Weltmeisterschaft. Die Skandinavier hielten dem brasilianischen Druck stand. Torhüter Ørjan Niland ragte dabei heraus, indem er einen Elfmeter und drei Schüsse parierte.
Der norwegische Nationaltrainer Stala Solbakken erkannte bereits zur Halbzeit, dass er seine Taktik ändern musste. Er wechselte die Flügelpositionen, nahm Antonio Nusa und Alexander Sørlot vom Feld und brachte Oskar Bobo und Andreas Schelderup. Die beiden brachten Dynamik und Durchschlagskraft in die norwegischen Angriffe. In der 79. Minute startete Norwegen einen Angriff, bei dem Erling Haaland zunächst lässig wirkte, dann aber im richtigen Moment beschleunigte, an Gabriel Magallanes vorbeisprang und Schelderups Hereingabe im Netz versenkte.
Nach dem Führungstreffer setzten die Norweger Brasilien weiter unter Druck. In der 89. Minute erreichte der Ball erneut Haaland, der bewies, dass er kaum Platz benötigte. Danilo ließ ihm genügend Zeit und Raum, Haaland positionierte sich und traf mit einem brillanten Schuss ins Netz von Alison. Dies unterstrich die Stärke Norwegens in Haaland, der selbst den kleinsten Raum, den sein Gegner lässt, zu nutzen weiß. Mit sieben Toren liegt er auf Platz zwei der Torschützenliste hinter Lionel Messi mit acht Treffern.
Foto: AP Photo/Pamela SmithErling Haalands zweites Tor gegen Brasilien
Diese beiden Mannschaften trafen 2012 und 2014 nur zweimal in Freundschaftsspielen aufeinander, und beide Male gewann England knapp. Auch die Buchmacher sehen England in dieser Partie mit einer Siegchance von 70 Prozent im Vorteil.
Anarchie unter Kontrolle
Der amtierende Weltmeister Argentinien offenbarte in den USA seine Schwächen. Die Gauchos hatten zwar keine Gegner aus den Top 20 der Welt, taten sich aber auch gegen Ägypten schwer, wo sie einen 2:2-Rückstand aufholen mussten, und gegen die Kapverdischen Inseln, gegen die sie erst nach Verlängerung gewannen (3:3). So sicherten sie sich den Einzug ins Viertelfinale.
Argentiniens Trainer Lionel Scaloni kennt die Stärken und Schwächen seiner Mannschaft und verzichtete daher gegen Ägypten komplett auf einen Flügelspieler. So schlug sein Team die wenigsten Flanken aller verbleibenden Nationalmannschaften, obwohl es in der zweiten Hälfte des Spiels gegen Ägypten zwei Tore nach Flanken erzielte.
Foto: AP Photo/Jacob KupfermanArgentiniens Trainer Lionel Scaloni
Lionel Messi ist nach wie vor die treibende Kraft dieser Mannschaft. Er erzielte in der laufenden Meisterschaft bereits acht Tore, verschoss aber auch zwei Elfmeter. Messi pausiert zwar den Großteil des Spiels, doch wenn er zum Einsatz kommt, stellt er eine große Gefahr für das gegnerische Tor dar.
Die Südamerikaner zeigten Schwächen im defensiven Umschaltspiel, aus denen Ägypten zwei Tore erzielte. Die Schweiz verfügt über mehrere Spieler, die für Konterangriffe gerüstet sind, allen voran Ruben Vargas, Brel Embolo und Dan Ndoy.
Neben seinen Konterstärken zeichnet sich die Schweiz durch Disziplin aus. Murat Yakin hat eine kompakte Abwehrreihe etabliert, die viele gegnerische Angriffe abwehren kann. Dies zeigte sich auch im Achtelfinale gegen Kolumbien, als Torhüter Gregor Kobel einen Schuss parierte.
Das größte Problem der Schweizer ist die mangelnde Kreativität im letzten Drittel des Spielfelds. Die Verletzungen von Johan Manzambi, der im Turnier zwei Tore erzielte, und Michael Ebischer, der das kreative Zentrum des Teams bildet, wirken sich dabei stark aus.
Diese beiden Mannschaften trafen bereits zweimal bei Weltmeisterschaften aufeinander, und Argentinien ging beide Male als Sieger vom Platz. 1966 in England gewannen sie 2:0, 2014 in Brasilien 1:0. Der Weltmeister geht als Favorit in diese Partie und hat eine 75-prozentige Chance auf den Einzug ins Halbfinale.
Die Viertelfinalspiele zeichnen ein klares Bild dieser Weltmeisterschaft. Das Niveau des Fußballs ist hoch, vielleicht sogar so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Europa hat seine Dominanz behauptet, während Argentinien immer wieder Wege zum Sieg findet. Die verbleibenden Spiele werden nicht allein durch individuelle Klasse entschieden. Frankreich, Spanien, England und Argentinien gehen als Favoriten ins Rennen, doch jedes Team hat Schwächen, die die Gegner ausnutzen können. Genau deshalb bietet das Finale des Turniers einige taktisch unterschiedliche Duelle, in denen die Details über die Halbfinalteilnahme entscheiden werden.
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